Das hier soll sowas wie ein Fazit sein. Wisst ihr noch, mein Vorhaben mit den monatlichen Challenges? Es gibt sie noch. Mehr oder weniger erfolgreich.
Das letzte Mal schrieb ich über meine Herausforderung für den März und listete voller Optimismus ein paar Bücher auf, die ich in dem Monat alle lesen wollte. Guess what. Ich bin damit immer noch nicht durch.
Als dann völlig überraschend ein neuer Monat anbrach und somit eine neue Challenge auf dem Plan stehen sollte, entschied ich mich recht spontan für den Versuch, vier Wochen vegan zu leben. Die Betonung liegt auf Versuch. Denn schon am 1.April ging es mit Problemen bei der Umsetzung los. Ich bekam von den Eltern leckeren Käse und Salami aus Italien mitgebracht. Und dann war da noch der Kühlschrank: zwar gut gefüllt mit Gemüse, aber auch mit reichlich Käse, Milch, Eiern und sowas. Also musste das erst einmal gegessen werden, um dann anschließend nur noch vegan einzukaufen und zu kochen. Das funktionierte auch gar nicht mal sooo schlecht. Ich probierte ein paar Rezepte aus und entdeckte leckere Gerichte und Dinge, wie zum Beispiel Soja Schnetzel und Gemüseaufstrich.

Mit der Zeit wurde das Projekt jedoch mehr zu einem “Vegan Awareness” Monat. So nannte ich es - man könnte auch sagen #FAIL ;)
Das eine Problem: Es war teilweise sehr anstrengend, unterwegs mal schnell einen Snack auf die Hand zu bekommen, ohne zuhause Brote zu schmieren. Belegte Brötchen? Tja, die sind meistens vollgepackt mit Salami, Eiern, Schinken und Käse.
Das andere Problem sind Menschen, mit denen man zu tun hat. Natürlich nicht die Menschen, sondern der soziale Aspekt des Essens. Man ist in einer kleinen Gruppe unterwegs und überlegt, wo man etwas Kleines essen gehen könnte. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: entweder ich versuche alle so zu beeinflussen, dass wir in ein Restaurant gehen, was meine Ernährungswünsche unterstützt, oder ich bin raus.
Nuja. Schlussendlich habe ich in dieser Zeit sehr gesund gegessen. Viel Gemüse in allen Farben und Formen, nur einmal Fleisch (weil ein Freund extra gekocht hatte) und ich habe viel dazugelernt. Über Ernährung allgemein. Wer tierische Produkte komplette weglässt, macht sich früher oder später Gedanken darüber, ob und wie sich das auf den Körper auswirkt.
Nach meinem Wissensstand schließt die gesündeste Art der Ernährung tierische Produkte nicht vollständig aus. Doch ich glaube, die vegane Lebensweise würde so manche (ökologische) Probleme lösen - zumindest wenn sehr viele Menschen sich so ernähren würden. (Dazu empfehle ich den Vortrag von Philip Wollen, s.u.)
Um das ganze noch etwas komplexer zu machen, habe ich mich auch ein bisschen über Paleo-Ernährung informiert und mich mit Säure-Basen-Diät beschäftigt. (Nicht, um abzunehmen, auch wenn es so klingt)
Fazit
Nach dem Experiment, stelle ich mir meine optimale Ernährung so vor: weiterhin viel Gemüse, wenig Milch & mehr Sojamilch, wenig Käse, mehr alternative Brotaufstriche, viel Abwechslung - und Fleisch nur zu besonderen Anlässen und in guter Qualität. Es war auf jeden Fall gut, das mal im Alltag zu testen - und ein paar Angewohnheiten sind dabei hängen geblieben. Vor ein paar Tagen ist mir außerdem aufgefallen, dass ich VeganerInnen nun besser verstehen kann und inzwischen mehr Wert darauf lege, dass es im Alltag und bei Events entsprechende kulinarische Angebote gibt.
Weitere spannende Links:
Update (15.Mai 2013):
Dieser Text entstand während des Sprints für das Magazin zum 10. Geburtstag von newthinking. Das Magazin wurde an die BesucherInnen der re:publica verteilt und liegt jetzt auch am Kiosk aus. Der Beitrag ist auf den Seiten 40-43 zu finden. Die Fotos stammen von Andrea Grützner, der Text ist von mir. (CC-BY-SA)

Wer geht überhaupt noch in Internetcafés? Müssten die nicht schon längst ausgestorben sein? Schließlich trägt doch mittlerweile fast jeder Mensch das Internet in Form eines Smartphones in der Hosentasche mit sich herum. Es gibt ja auch Cafés mit kostenlosem W-Lan, diese sind gemütlich und man geht dort teilweise auch hin, um Leute zu treffen. Aber diese steril und ungemütlich wirkenden Internetcafés erscheinen uns erst einmal überholt. Ja, es gibt Situationen, da muss man tatsächlich ein Fax versenden oder etwas ausdrucken.
Wir haben uns gefragt, ob es noch andere Gründe gibt, ein Internetcafé zu besuchen und haben etwas Medienarchäologie betrieben. Auf der Suche nach Hinweisen, entdeckten wir das Internetcafé SIMO in Berlin Wedding.

SURFEN - CHATTEN - WEBCAM - FAXEN - DRUCKEN - KOPIEREN - SCANNEN - USB-STICK - E-MAIL - SMS VERSENDEN - WELTWEIT BILLIG TELEFONIEREN. Internet ab 50 Cent. Ein blinkender “Open”-Schriftzug leuchtet hinter dem Fenster.
Während wir noch draußen vor dem Internetcafé stehen und Fotos machen, kommt ein Mann aus dem Laden. Er zündet sich eine Zigarette an und wir kommen sofort ins Gespräch. Bis vor kurzem war er noch in Afrika und hat dort auch viel fotografiert. Er ist Rentner und erzählt uns von seinem Plan, in Kenia ein Altenheim für RentnerInnen aus Deutschland aufzubauen. Man müsse Ziele haben und Dinge umsetzen, damit das Leben nicht langweilig wird. Sein Name ist Heinz.
Dann kommt auch Ghislain Simo dazu. Er ist der Besitzer. Wir erfahren, dass der Laden eine Kombination aus Spätkauf und Internetcafe ist und wir spüren schnell, dass das Geschäft mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail geführt wird. “Vor drei Jahren war hier noch tote Hose, mittlerweile ist die Straße sehr belebt. Das ist gut für uns.” Es gibt zwar Konkurrenz durch naheliegende Supermärkte, aber Internetcafés und Spätkaufläden sind hier im Vergleich zu anderen Berliner Stadtteilen eher wenige vertreten. “Ich wohne zwar selbst in Neukölln, würde aber niemals einen Späti dort betreiben wollen. Nicht einmal, wenn ihn mir jemand schenkt. Ich frage mich sogar, wie diese Läden dort überleben können.”
Heinz hat mittlerweile seine Zigarette zu Ende geraucht und endlich gehen wir nach drinnen. Uns fällt auf, dass der Bereich mit den Getränken und Lebensmitteln sehr aufgeräumt und sauber ist. Wir werden durch den Teil des Ladens geführt, in dem die Computer stehen. Die Einrichtung hat Heinz selbst gebaut. Er hatte Ghislain von Anfang an unterstützt und kommt noch heute regelmäßig im Laden vorbei - obwohl auch er in Neukölln wohnt.
Späti, Internetcafé und Spezialist für Bordeaux Wein.
Früher kaufte Ghislain Wein im Aldi ein, um ihn weiter zu verkaufen. Er bemerkte, dass die Nachfrage nach gutem Bordeaux Wein sehr groß war. Ohne zu zögern, fuhr er nach Frankreich zu einem Winzer. Kurze Zeit später war er offizieller Weinhändler, der sich auf den Import von exklusiven Weinen aus der Bordeaux Region spezialisiert hatte.
Inzwischen kommen Stammkunden bei ihm vorbei oder bestellen online. Wer in Berlin und Brandenburg wohnt, kann sich inzwischen auch zuhause beliefern lassen. Hier wird ständig Neues ausprobiert und in zusätzlichen Service investiert. Sei es ein guter Laserdrucker oder eine eigene Webseite. Bei der App Foursquare sind sie noch nicht vertreten, aber Ghislain ist neugierig. Wir erklären kurz, was das ist und legen dann gemeinsam eine Location an. Ich hinterlasse einen ersten Tipp: Hier gibt es exklusive Bordeaux Weine und die Besitzer sind sehr freundlich.
Rückzugsort und Treffpunkt
Dann die wichtigsten Fragen: Wer kommt hierher und was machen die Kundinnen und Kunden im Internetcafé? Da wären erstmal die Touristen, die einen Zugang zu Internet und Drucker brauchen. Die Meisten kommen jedoch, um in Ruhe und vor allem ungesehen von der Familie das Internet zu nutzen und zum Beispiel im Online Casino zu spielen. Ghislain erzählt uns auch von muslimischen jungen Frauen, die einen Computer im hinteren abgetrennten Raucherbereich wünschen und Kopfhörer dazu ausleihen, obwohl sie gar nicht rauchen. Er weiß, dass sie Serien wie “Verbotene Liebe” anschauen - etwas, das zuhause nicht erlaubt ist.
Langsam wird klar: das hier ist mehr als ein kleiner Laden, in dem ein paar Computer mit Sichtschutz aufgestellt wurden. Das Internetcafé SIMO ist ein neutraler Rückzugsort, wo jeder tun kann, was er möchte oder was nicht vom sozialen Umfeld akzeptiert wird. Das ist für Ghislain genau der Grund, warum er glaubt, dass Internetcafés nicht aussterben werden. Sie wirken auf manche Digital Natives wie Fossilien, dabei bieten sie für bestimmte Menschen einen Schutzraum, der unersetzlich ist.
Im Sommer stehen Bänke vor dem Laden. Man trifft sich, schaut gemeinsam Fußball und lernt Leute aus dem Kiez kennen.
Wir fühlen uns schon nach kurzer Zeit willkommen und bemerken kaum, wie die Zeit vergeht. Das Telefon klingelt. Jemand von Langnese fragt, wann sie Eis liefern sollen. Ghislain lacht herzlich und sagt: “Na, wenn die Sonne scheint natürlich. Wenn sie auch Sonne dazu liefern können, dann gern sofort!”
Links:
Diese Sessions würde ich heute besuchen. Oder werde ich besuchen. Also, werde ich versuchen zu besuchen. Kurz notiert:
Alle Vorträge auf Stage 1 könnt ihr euch auch im Livestream anschauen. Die Vorträge von Stage 1-5 werden Stück für Stück bei Youtube hochgeladen.
Heute ist der zweite Tag der re:publica 2013. Vom gestrigen Auftakt gibt es bereits Fotos auf Flickr, einige Videos auf youtube und ein eBook. Für alle, die nicht da sein können, gibt es auch weiterhin den Livestream von Bühne 1.
Immer wieder mache ich mir Gedanken über Ernährung, Sport und Gesundheit. Zurzeit teste ich vegane Ernährung. Das ist meine “Challenge” für den April, über die ich noch gar nicht gebloggt habe. (Kommt aber noch)
Heute habe ich diese Sendung über Steinzeiternährung- und Lebensweise angesehen und möchte sie euch empfehlen. Ob man sich tatsächlich in der heutigen Zeit so ernähren sollte wie zur Steinzeit? Das ist wahrscheinlich noch etwas komplexer und muss natürlich jede/r für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall sehenswert für alle, die sich schon mal gefragt haben, was Paleo bedeutet, was wirklich gesund ist, und für alle Läufer. Es geht nämlich auch um das Thema Barfußlaufen.
Link: Das Steinzeitrezept (3sat.online)